Cholesterin » Fakten

Biochemie

Cholesterin (Cholesterol) ist ein Alkohol und ein Lipid (genauer: Steroid) mit sehr geringer Wasserlöslichkeit, das sowohl im Blut (dort an Lipoproteine gebunden, der Anteil des Cholesterins im Blut beträgt etwa 5%) als auch in den Körperzellen vorkommt.

Cholesterin gehört biochemisch zur Gruppe der Sterine, wie auch Stigmasterol, dass vom Aufbau fast identisch ist, jedoch eine weitere C=C Einheit besitzt. Stigmasterol ist das pflanzliche Gegenstück zum Cholesterin und kommt in Sojabohnen, Olivenöl, Kakaobutter, ... und in allen pflanzlichen Zellmenbranen vor. Sowohl Cholesterin als auch Stigmasterol gehören zu den nicht verseifbaren Anteil in Lebensmittel, und sind somit gemäß FDA keine Fette.

Cholesterin wird vom Körper benötigt, um die Geschmeidigkeit (und damit die mechanische Stabilität) der Zellmembranen zu erhalten. Im Durchschnitt besteht die Zellmembranen jeder Körperzelle zu etwa 10% aus Cholesterin. Aber auch für die Synthese von Vitamin D, Gallensäuren und steroiden Hormonen (Sexualhormonen) ist Cholesterin essentiell.

Zu etwa 90% wird Cholesterin endogen (aus drei Molekülen aktivierter Essigsäure (Acetyl-CoA)) synthetisiert (davon etwa zu 25% in der Leber) und zum geringeren Teil über die Nahrung aufgenommen. Die exogene Zufuhr von Cholesterin reguliert die endogene Produktion nach einem vollständig unerforschten Mechanismus.

LDL / HDL

Der "typische" Cholesteringehalt eines 68 kg schweren Menschen liegt bei etwa 35g, die tägliche endogene Produktion bei 1-2g und die Aufnahme mit der Nahrung bei 0,2-0,3g.

Generell gibt es bei Blutwerten keinen physiolgischen Normalwert, da die gemessenen Werte ohnehin gewissen Schwankungen unterliegen (z.B. Tageszeitabhängig), es also in dem Sinne keinen "normalen" Wert gibt, sonderen einen Referenzbereich, indem statistisch die Werte bei "gesunden" Menschen liegen. Diese Referenzwerte des Blutbildes sind dann fast immer unterschiedlich für die verschiedenen Erscheinungsformen der Kohlenstoffeinheiten (Kinder, Mann, Frau).
Der Referenzbereich ist mehr oder weniger "eng": Natrium 135 - 144 mmol/l
Zudem bestimmen viele Labore ihre "eigenen Referenzwerte".
Die fragliche Festlegung z.B. eines "Idealwerts" von kleiner 200 mg/dl suggeriert das ein möglichst kleiner Wert "besser" ist. Dabei bleiben unerwünschte Nebenwirkungen, wie einer erhöhte Neigung zu Selbstmord bei einem Wert von kleiner 130 mg/dl unerwähnt. Und: ein Mensch mit einem Cholesterinwert von 0 mg/dl ist vor allem eins - klinisch Tod.

Cholesterin gehört zu den wenigen klinischen Messwerten, für die es keinen echten Referenzbereich gibt, sondern eine Obergrenze, die zudem relativ willkürlich im Bereich von 200-240mg/dl festgelegt wird.

LDL (Low Density Lipoprotein) und HDL (High Density Lipoprotein) sind keine Bezeichnungen für unterschiedliche Cholesterine, sondern bezeichnen zwei Klassen von Lipoproteinen an die das Cholesterin im Blut gebunden ist, und die sich, wie der Name schon sagt, durch ihre unterschiedliche Cholesterindichte unterscheiden lassen. LDL transportiert das Cholesterin aus der Leber in die Körperzellen, während HDL den Transport von Cholesterin aus Zellen und Gewebe in die Leber bewirkt, in der das Cholesterin anschließend verstoffwechselt werden kann.


Eine verbreitete populäre Vorstellung geht davon aus, das fast ausschliesslich das "schlechte" LDL für die Ablagerungen des Cholesterins in den Gefäßen verantwortlich ist, während ersten das "gute" HDL nicht schädlich ist, und zweitens das Cholesterin "aktiv" abbaut, indem es dieses zur Leber transportiert, wo es dann "entsorgt" wird. Insbesondere deswegen wird auch dem Quotienten der beiden Werte eine erhöhte Aufmerksamkeit zuteil, denn wenn im Verhältnis nur genug HDL vorhanden ist, ist alles nicht mehr so schlimm ... das "Gute" behält ja die Überhand, auch wenn der Cholesterinwert insgesamt hoch ist.
Die Unterscheidung zwischen LDL und HDL in der Diagnostik ist eine relativ junge Erscheinung und beruht maßgeblich darauf, das es zuvor sehr aufwändig und damit teuer war, diese Werte routinemäßig zu bestimmen. Das hat sich inzwsichen geändert, ob jedoch, wie häufig behauptet wird, der Anteil des HDL und LDL, bzw der Quotient aus beiden Werten, eine diagnostische Relevanz hat, wird sich erst noch zeigen.
In Bezug auf Cholesterin sind insbesondere einigen Studien bemerkenswert, die einen Zusammenhang zwischen einem sehr niedrigen Cholesterinspiegel (kleiner 120 mg/dl) und einer erhöhten Gefährdung durch Suizid aufweisen.

Risikofaktor

Der wissenschaftliche Versuch, der die Cholesterinangst schürte, fand schon vor fast 100 Jahren statt. Im Jahr 1908 fütterte der russische Wissenschaftler Alexander Ignatovski Kaninchen mit cholesterinhaltiger Kost. Durch diese "Behandlung" konnte der Cholesterinwert im Blut der Kaninchen von rund 40 mg/dl auf 1200 mg/dl gesteigert werden. Das Kaninchen in freier Wildbahn wenig cholesterinhaltige Nahrung aufnehmen störte ebenso wenig, wie die absurde Steigerung auf etwa 3000% des Normalwertes. Einige der Tiere starben an Herzinfarkt und unter dem Mikroskop waren mustergültige Ablagerungen in den Gefäßen zu erkennen. So war der Zusammenhang schnell erklärt: viel Cholesterin in der Nahrung - viel Arterienverkalkung.

Cholesteringehalt

Der Cholesteringehalt einiger Lebensmittel je 100g:
Butter 0,24g
Margarine 0,0g
Hühnereigelb 1,26g
Schlagsahne 0,11g
Languste 0,14g
Rinderleber 0,26g
Geflügel +/- 0.07g
Rindfleisch 0,07g
Schweinefleisch 0,07g
Aal 0,14g
Ölsardinen 0,14g
Käse +/- 0,07g
Fisch +/- 0,06g

Natürlich sind diese Angaben mehr oder weniger Durchschnittswerte, die irgendwie gemittelt wurden (z.B. DAS "Rindfleisch" gibt es nur in der Theorie). Wobei zu beachten ist, dass ein Steak etwa 200g wiegt (gesamter Cholesteringehalt = 0,14g) während eine Butterstulle etwa 10g Butter enthält (gesamter Cholesteringehalt = 0,024g).

Evidenzbasierte Medizin » EbM «

" […] Evidence Based Medicine (EbM) bedeutet »nachweisorientierte Medizin« bezogen auf die Methode des Wissenserwerbs. Leider wurde in Deutschland per Verordnung (Leitlinien, Disease-Management-Programm) daraus ein »gesichertes Wissen« gemacht. Soviel zur semantischen Differenzierung. EBM bedeutet also: Medizin auf der Grundlage wissenschaftlicher Erfahrungen (studienbedingte Datenlage), im Gegensatz zur Medizin auf der Basis tradierter und/oder persönlicher Erfahrungen (Chefarzt zur Visite: "Ich habe Gutes / Schlechtes gesehen!" Damit war das Urteil gesprochen.)"

" […] Über ein halbes Jahrhundert wurde uns von interessierter Seite (Pharmaindustrie, Lebensmittelindustrie, Verlage, Apotheker, Ärzte) die Cholesterol-Legende präsentiert. In 15 guten Studien wurde demonstriert, dass der Effekt der Lipidsenker hinsichtlich der Primärprävention gegen Null geht und im Hinblick auf die Sekundärprävention nur sehr marginal ist. In HPS (Heart Protection Study, 2002) wurde von den Autoren explizit auf die Bedeutungslosigkeit des Cholesterols verwiesen. Wie man aus der aktuellen Literatur entnehmen kann (Owen CG. Pediatrics 2002; 110: 597-609), können Legenden jedoch sehr zählebig sein. Wir sollten uns an den Ausspruch von H. Immich (1991) erinnern: "Nicht Experten zählen, sondern Fakten." Quelle: [Prof. em. Dr. Frank P. Meyer, ehemaliger Institutsdirektor der Klinischen Pharmakologie an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg, 2003]

Wie man in Deutschland krank ist » Das liebe Herz «

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Das liebe Herz

Des Deutschen Herz hängt am Herzen. Die sorgende Liebe zum Hohlmuskel geht vermutlich auf den lang anhaltenden Einfluss der deutschen Romantik und ihre Vorstellung eines ganzheitlich lebenden Organismus zurück. Dabei gebären die Veranlagung zur Romantik und ein effizienzorientiertes Ordnungsstreben hierzulande einen herrlichen Widerspruch: den der kontrollierten Emotionalität. Das Herz wird ja nicht, wie in Amerika, als Pumpe, als stockender oder laufender Motor verstanden. Es ist ein eigenwilliges Organ, subversiver Regungen fähig. Es ist Sitz des Gefühls und trägt metaphorische Bedeutung. Die Deutschen, resümiert die amerikanische Medizinjournalistin Lynn Payer ihre langjährigen Beobachtungen, schöben alle Unsicherheiten und Ängste aufs Herz.

In Deutschland seien niedriger Blutdruck und Schwindelgefühle diagnosereif, in England gälten sie, bisweilen etwas belächelt, als German disease. Die Deutschen, schreibt Payer in ihrem Buch Andere Länder, andere Leiden, nähmen prozentual sechsmal so viele Herzmedikamente wie Franzosen oder Engländer ein; deutsche Ärzte diagnostizierten Herzinsuffizienz aufgrund von Indizien, bei denen kein Arzt im leberlabilen Frankreich, im verdauungshysterischen England oder hygieneverrückten Amerika auch nur im entferntesten ans Herz denken würde; in Deutschland gibt es die meisten Bypass-Operationen.

Ein Blick in die Krankheitskulturgeschichte Europas zeigt rasch: Jedes Land hat seine Verlegenheitsdiagnose. In Deutschland ist das Herz die Hülse fürs Unerklärbare. So klang einst der alte Befund "Vegetative Dystonie" in den 60er und 70er Jahren ebenso ernsthaft wie nebulös-romantisch. Die krankhafte Sorge ums Herz ist, gemessen an der deutschen Freude am Vermessen, Regulieren und exakten Definieren, eine reizvoll sympathische Schwäche. Weil Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Todbringer Nummer eins akzeptiert sind, ist diesbezüglich von einer Wachsamkeit zu berichten, die viel mit einem urdeutschen Phänomen zu tun hat: der großen Angst vor dem bösen Cholesterin.

Dichtung und Wahrheit

Um Himmels willen! Du läufst durch die Stadt, an Apotheken vorbei, siehst die ausgehängten Warnungen und kennst deinen eigenen Cholesterinwert nicht, den "schlechten" nicht, den "guten" auch nicht! 250? 200? 150? Gott, vielleicht bist du, nein, sicher: Du bist gefährdet! Das Herz! Morgens Brot mit Butter und Schinken, vielleicht Käse - Himmel, das kann tödlich enden. Schlaganfall! Sehr wahrscheinlich. Bist leicht, äh, nein, richtig übergewichtig? Stante pede den Wert kontrollieren lassen! Überall schreit es dich von den Buswartehäuschen an: "Becel pro activ: Lebenslust rauf, Cholesterin runter. Millionenfach bewährt." Man will ja gut leben. Also: Margarine essen!

Und den Wert immer wieder kontrollieren lassen! Als Deutscher ist man gewissenhaft. Auch wenn die Cholesterinangst amerikanischen Ursprungs ist, hat man sich bei uns allzu gern anstecken lassen. Zufällig gibt es nun ein neues Medikament, das die Sterblichkeit durch Herzinfarkt und Schlaganfall um 30 Prozent senkt. 30 Prozent! Da staunst du. 30 Prozent wovon aber? Hm. Nicht bekannt. Sagt man nicht. Warum auch: 30 Prozent weniger klingt immer gut.

Was es heißt, wenn solch drastische Relativ- statt der kaum auffälligen Absolutprozente genommen werden, führt Ingrid Mühlhauser, Professorin für Gesundheit an der Universität Hamburg und Streiterin für Patientenaufklärung, an einem anderen Paradebeispiel aus: der Angst vor dem Brustkrebs. "Es heißt aus den Forschungslabors von Universitäten und dann in den Medien, durch das Mammografie-Screening gebe es 25 Prozent weniger Brustkrebstote pro Jahr. Jeder denkt nun: 25 von 100 Frauen. In Wirklichkeit aber sterben von 1000 Frauen, die über zehn Jahre an einem Screening teilnehmen, während dieser Zeit drei. Von 1000 Frauen, die nicht teilnehmen, sterben vier. Das heißt: in zehn Jahren eine Tote weniger. Drei im Verhältnis zu vier Toten sind, relativ gesehen, 25 Prozent. Gerechnet auf den absoluten Wert von 1000 Frauen aber, bedeutet eine Tote nicht 25, sondern 0,1 Prozent. "Von 1000 Frauen mit Mammografie-Früherkennungsuntersuchungen über 10 Jahre haben 999 Frauen keinen Nutzen, da sie auch ohne die Untersuchung nicht an Brustkrebs gestorben wären oder zu den drei gehören, die trotz der Untersuchung an Brustkrebs sterben."

Die Angst einer Frau vor Brustkrebs ist verständlicherweise groß. Also werden in Deutschland pro Jahr etwa fünf Millionen Früherkennungsuntersuchungen durchgeführt. Bisher zahlten die Krankenkassen diese nicht. Mühlhauser hat den Mut und nennt sie "ein massiv überschätztes Ritual". Ihre Studien versteht die Aufklärerin als Plädoyer für die so genannte evidenzbasierte - also auf klaren wissenschaftlichen Erkenntnissen und nicht Mutmaßungen basierende - Medizin, die derzeit weltweit einen Paradigmenwechsel auszulösen im Begriff sei.

Sind vergleichende Relativangaben wie 25 und 30 Prozent bewusste Desinformation über den tatsächlichen Nutzen für den Patienten? Kalkulierte Irreführungen durch die Pharmaindustrie? Industriell gesteuerte Falschaussagen? Dazu gab es jüngst zwei interessante Bücher von Medizinjournalisten - Was hab ich bloß? von Werner Bartens und Die Krankheitserfinder von Jörg Blech. Deren These lautet, kurz gesagt: Viele normale Prozesse des Lebens sowie normale Verhaltensweisen würden von der Pharmaindustrie neu definiert und als krankhaft dargestellt; global operierende Konzerne sponserten die Erfindung ganzer Krankheiten und Behandlungsmethoden und schüfen ihren Produkten neue Märkte.

So würde zum Beispiel ein willkürlicher Grenzwert für Cholesterin festgelegt und durch entsprechende Lobbyverbände die Mehrheit der Deutschen zu lebenslangen Risikopatienten erklärt. Unter dem Namen "Cholesterin-Lüge" löste das jüngst einen veritablen Streit über zurechtgebogene Statistiken, unseriöse Studien und panikisierende Medien aus. Diagnose: Gehirnwäsche durch die Anti-Cholesterin-Industrie. Blech schreibt: "Roche Diagnostics stellt Geräte zum Cholesterinmessen her. Kardiologen bekommen neue Patienten, denen sie den Verzehr von Butter ausreden - was dem Hersteller der Margarine Becel hilft. Pfizer schließlich setzt weltweit Milliarden Euro mit Medikamenten um, die den Cholesterinspiegel senken." Resümee: Selten sei eine medizinische Kampagne, welche die Mehrheit eines ganzen Volkes zu Patienten stempelt, mit solchem Marketingaufwand vorangetragen worden. Die Legende vom bösen Cholesterin scheint selbst böse zu sein. Bei entsprechend differenzierter Feindiagnostik hätten die meisten nichts zu befürchten. Der sinnlose Dauer-Check-up-Terror, die Rasterfahndung nach erhöhtem Bluthochdruck, die Angstmacherei der Knochenlobby vor Knochenschwund: All diese "Märchen der Medizin" finden auf wundersamem Wege zusammen mit der harschen Systemkritik des Doktor Jonitz.

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[Quelle: » Wie man in Deutschland krank ist … Christian Schüle; DIE ZEIT vom 08.01.2004]

Cholesterin: die Wissenschaft vergiftet » Wie ein Risikofaktor entsteht« (Auszug)

"[…] Den Cholesterin-Gegnern kam zugute, dass der Cholesterinspiegel mit dem Alter ansteigt und dass gewöhnlich mehr alte als junge Menschen an Herz- und Gefäßerkrankungen sterben. Zudem weist ein Teil der Infarktpatienten hohe Cholesterinwerte auf. Damit schien die Argumentationskette perfekt: Wer zuviel Cholesterin isst, hat zuviel davon im Blut und stirbt eher am Infarkt. Soweit die Theorie.
Die wissenschaftlichen Daten sprechen seit langem klar dagegen: Nur in drei von mindestens 16 Langzeitstudien zeigte sich ein statistischer Zusammenhang zwischen der Cholesterin-Zufuhr und dem Auftreten von Herzinfarkten. (1) Das heißt, dass es mindestens 13 Studien gibt, die das Cholesterin im Essen freisprechen. Diese mehr als eindeutige Datenlage scheint die etablierte Ernährungswissenschaft aber nicht im Geringsten zu stören, denn sie empfiehlt bis heute, zum Schutz des Herzens die Cholesterin-Zufuhr zu beschränken. (2, 3)

Unser Cholesterinspiegel steigt im Laufe des Lebens an - egal, was wir essen. Während der durchschnittliche Wert bei jungen Menschen um die 200 mg% schwankt, zeigen die meisten Fünfzigjährigen einen Cholesterinpegel von 250, und bei Siebzigjährigen können Werte von knapp 300 völlig normal sein. (4) Davon unbeeindruckt haben die diversen Herz-Gesellschaften der Industrienationen immer wieder Normwerte für alle festgelegt, zuletzt im Oktober 2000. (3) Während früher landläufig die alte Faustregel "200 + Lebensalter" galt, drückte man den als "normal" angesehenen Cholesterinwert über die Jahre immer weiter nach unten. Zur Zeit liegt er bei 200 mg%, also beim Level der unter 25jährigen. Das ist schon deswegen unsinnig, weil jeder Mensch einen eigenen, individuellen Cholesterinwert hat, der je nach Alter, Jahreszeit, Hunger, Stress, Geschlecht, körperlicher Aktivität, Tageszeit, Klima, Hormon- und Gesundheitszustand variiert. (5, 6)

Das statistische Risiko für einen Herzinfarkt steigt zwar mit dem Cholesterinspiegel an, (7, 8) die allermeisten Infarkte "passieren" jedoch bei völlig unauffälligen Blutcholesterinwerten. (1) Was soll da ein Wert für alle? Mit dem niedrig angesetzten "Normalwert" von 200 mg% hatten aber rund 80% der deutschen Männer plötzlich einen "Risikofaktor", der sie zu potentiellen Infarktkandidaten machte. Selbstverständlich wurden die Werte auch gleich auf den weiblichen Teil der Bevölkerung angewendet - obwohl es für Frauen überhaupt keine Daten gab. (9)

Diese Zahlenspielereien lassen den wahren Hintergrund derartiger "Präventions-Maßnahmen" erahnen: Da die Mehrheit der Bevölkerung per Definition zu Patienten gemacht werden konnte, ließ sich mit dem "Normalwert" eine Menge Geld verdienen. Schließlich halten die meisten "Patienten" ihre magere Diät auf Dauer nicht durch oder sie bewirkt nichts. Und Cholesterin senkende Medikamente sind teuer.
So gesehen ist es kein Wunder, dass sich die Nahrungscholesterin-Verteufler durchgesetzt haben. Doch wie kommt es, dass die Kritiker der Cholesterin-Hypothese so wenig Gehör fanden? Ein schwedischer Wissenschaftler ging dieser Frage nach: Er durchforstete die wissenschaftlicher Literatur und fand heraus, dass jene Studien, die die Cholesterin-Verteufelung unterstützten, sechsmal häufiger zitiert wurden als Studien, die nicht in dieses Weltbild passten - obwohl ihre Anzahl etwa gleichgroß war. (10) So wird aus einer wackeligen Hypothese eine wissenschaftliche Tatsache." [Quelle: » CHOLESTERIN - DIE WISSENSCHAFT VERGIFTET … Ulrike Gonder]