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Wie Ärzte, Pharma-Industrie und Versicherungen … Ihnen Krankheiten einreden

… So könnte der englische Titel von Lynn Payers Buch ("Disease-Mongers: How Doctors, Drug Companies and Insurers Are Making You Feel Sick", New York (John Wiley & Sons) 1994) übersetzt werden. Wobei "monger" auch die Bedeutung von "aufhetzen, Gerüchte, ..." besitzt.

Lynn Payer war medizinische Korrespondentin für die International Herald Tribune und Editor in der Sektion Gesundheit der New York Times. Sie argumentiert, dass weit zu viele Doktoren, sowie Medikamentenhersteller und Versicherer, die Öffentlichkeit mit nicht notwendigen Tests betrügen und sich zu sehr auf gutartige Symptome konzentrieren - mit dem vorrangigen Ziel sich zu bereichern.

In eine ähnliche Kerbe schlägt das Buch von Ray Moynihan und Alan Cassels ("Selling Sickness. How Drug Companies Are Turning Us All Into Patients", Australien (Allen & Unwin, Crows Nest) 2005); Auszug [Quelle: » Eingebildete Kranke machen die Pharmaindustrie gesund …]:

"[…] Schon die Tatsache, dass jemand zu einer "Risikogruppe" gehört, ist zu einer eigenständigen Krankheit geworden. Deswegen leiden Frauen mittleren Alters heute unter einer schleichenden Knochenerkrankung mit Namen Osteoporose, und durchaus fitte Männer in den besten Jahren bekommen ein lebenslanges Krankheitsbild namens "erhöhter Cholesterinspiegel" bescheinigt."

"[…] Es liegt nahe, dass Ausgangspunkt und Zentrum dieser Verkaufsstrategie die Vereinigten Staaten sind, wo auch die größten Pharmakonzerne der Welt ihren Sitz haben. Zwar leben in den USA weniger als 5 Prozent der Weltgesamtbevölkerung, aber dennoch werden dort fast 50 Prozent der weltweit verkauften rezeptpflichtigen Medikamente abgesetzt. Zudem steigen die Ausgaben für Arzneimittel nirgendwo so rasant wie in den USA, wo sie allein in den letzten sechs Jahren um fast 100 Prozent zugenommen haben. Und das liegt nicht nur an enormen Preissteigerungen, sondern schlicht daran, dass die Ärzte immer mehr Rezepte ausstellen."

"[…] In seinem Büro im Zentrum von Manhattan sitzt Vince Parry, den man als Speerspitze dieser globalen Vermarktungsstrategien bezeichnen kann. Als Werbefachmann hat sich Perry inzwischen auf die raffinierteste Form des Verkaufs von Arzneimitteln spezialisiert: Er arbeitet mit Pharmakonzernen zusammen, um neue Krankheiten zu erfinden. In einem Artikel über "Die Kunst, einer Beschwerde einen Markennamen zu verpassen", hat Parry vor kurzem enthüllt, auf welche Weise einzelne Unternehmen die "Erschaffung" von medizinischen Beschwerden "fördern". Dabei wird zuweilen eine längst bekannte Krankheit einfach umdefiniert und umbenannt, oder aber es wird eine ganz neue Funktionsstörung erfunden."

[…]

Die Krankheits-Händler


Eine Auswahl von wohlformulierten Alternativen für die Begrüßungsformel "gute Besserung" für Kollegen, Freunde und Feinde.

Wiedereingliederung nach Organtransplantation

"Tatsächlich gibt es auch bei der Verschreibung von Medikamenten oder Kuren oder der Wahl bestimmter Operationsmethoden erhebliche kulturelle Unterschiede, trotz des internationalen Austausches von Wissen und Erfahrungen. Mehr zu diesem Thema findet man in dem Buch von Lynn Payer "Andere Länder - andere Leiden. Ärzte und Patienten in England, Frankreich, den USA und hierzulande", Reihe Campus, 1993" [Volker Köllner, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden, 1999]

Medizinversuche der Pharma-Industrie

Jedes neue Medikament, das in Deutschland per Rezept von einem Arzt verschrieben werden kann, muss eine Zulassung erhalten.

Dabei muss die Wirksamkeit des neuen Wirkstoffes in klinischen Studien, die in der Regel als randomisierte, kontrollierte Studien durchzuführen sind, nachgewiesen werden. Jede dieser Studien bedarf der Zustimmung durch eine Ethikkommission.
Die Studien, die für eine Zulassung durch die Europäische Kommission notwendig sind, können überall auf der Welt durchgeführt werden.
Die Vorteile für die Pharma-Firmen, ihre Tests in Entwicklungsländern - weit weg von Europa und Nordamerika - durchzuführen, liegen auf der Hand: die Versuche in diesen Ländern sind erheblich billiger, es gibt ausreichend "Versuchspersonen" die teilweise gar nicht in der Lage sind, die vorgelegten Unterlagen zu verstehen, oder auf Grund von Armut so verzweifelt sind, das sie nicht viele Fragen stellen.

Die Dokumentation "Pharma-Sklaven" von Rebecca Gudisch und Benjamin Best (beide u.a. zum "CNN Journalist of the Year" gekürt) über die Pharma-Industrie, und deren Praxis, Medikamente im Ausland zu testen, lässt den geneigneten Zuschauer doch mehr als einmal schockiert im Sessel zurück.
Erstausstrahlung am 06.05.2013 im WDR.

Und ja, Medikamente müssen getestet werden, die Frage ist a) wer hat eigentlich ein Motiv, ständig "neue" Arzneimittel auf den Markt zu bringen und b) wie, wo und durch wenn kontrolliert werden die notwendigen Versuche durchgeführt? Und warum wird das nicht auf dem berühmten Beipackzettel dokumentiert, z.B.
"Dieser Wirkstoff wurde in Indien an 30 Freiwilligen getestet. Drei von ihnen hat bedauerlicherweise das Zeitliche gesegnet — Durchschnittsalter 72 Jahre; die Zustimmung der lokalen Ethikkommission (in der Originalsprache) kann unter . . . eingesehen werden."

 


 

Doch im Falle einer Krankheit kann auch Humor helfen. Hier gibt es eine feine Sammlung an stilvollen Patienten-Witzen zur Aufmunterung, ob nun im Wartezimmer, Krankenhaus oder daheim im Bett.